Erarbeitet von:
Toni Schenkenmeyr, Landwirt, Initiator und Autor des Projekts „Wertschätzung“ (2021)
Durchgearbeitet und dokumentiert von:
Mag. Robert Hudec-Börr, IKFN, www.freedom-unites-us.org
Schon vor Jahr 2021 erkannte der Landwirt Toni Schenkenmeyr die zunehmende wirtschaftliche Schieflage vieler österreichischer Landwirtschaftsbetriebe. Aus der praktischen Erfahrung heraus entwickelte er das „Projekt Wertschätzung“, das auf einem fairen Preis- und Arbeitssystem basiert, um die Landwirtschaft nachhaltig zu sichern. Die Ziele sind klare: Stabile Einkommen für Landwirte, Erhalt der heimischen Produktion, Sicherung hoher Tierwohl-Standards und Entlastung der überwiegend familiengeführten Betriebe.
Österreichische Landwirte sehen sich heute mit hohen Produktionskosten konfrontiert, die durch strenge Tierschutzauflagen entstehen – beispielsweise die Umstellung von Spaltenböden auf teure Stroheinstreu. Fehlende eigene Flächen für Futtermittel führen zudem zu teuren Importen von Stroh und Futter, was die regionale Wertschöpfung schwächt. Die EU verschärft die Situation durch Regelungen wie die Tier-pro-Hektar-Begrenzung, welche nach teuren Investitionen in Stallungen die erlaubte Tierzahl reduziert und damit die Wirtschaftlichkeit gefährdet. So kann eine Million Euro Stallinvestition durch nachträgliche Kapazitätskürzungen unwirksam werden, was den Betrieben die Planungssicherheit nimmt.
Parallel dazu kämpfen österreichische Bauern gegen Billigimporte, die unter niedrigeren Standards produziert werden. Beispielhaft sind Getreidepreise: 2021 lagen sie in Österreich bei 150 bis 200 Euro pro Tonne, während ukrainische Importware für etwa 90 Euro auf den Markt kam. Diese Importe stammen häufig aus Ländern, in denen der Einsatz verbotener Pestizide und Produktionsmethoden üblich ist. Der resultierende Preisdruck führt zu erheblichen Marktanteilsverlusten für heimische Betriebe.
Zur Sicherung der Landwirtschaft schlägt das Projekt ein „Wertschätzungsentgelt“ vor: einen zweckgebundenen Aufschlag auf alle Lebensmittel im Handel – unabhängig von ihrer Herkunft. So würden bei Milch 20 Cent pro Liter, bei Rindfleisch 2 Euro pro Kilo und bei Putenfleisch 1,50 bis 2 Euro pro Kilo erhoben. Hochgerechnet ergeben sich dadurch Einnahmen von über 4 Milliarden Euro jährlich nur bei den Grundnahrungsmitteln, die zur Absicherung der Betriebe und zur Finanzierung hoher Standards ausreichen. Für einen durchschnittlichen Vierpersonenhaushalt bedeuten 10 Liter Milch pro Woche Mehrkosten von etwa 2 Euro pro Monat – eine finanzierbare Unterstützung für heimische Bauern.
Die Arbeitsbelastung in der Landwirtschaft ist hoch, da 90 % der Betriebe familiengeführt sind. Eltern, Großeltern und oft schon Kinder im Volksschulalter (z.B. Traktorfahren mit 150 PS) tragen wesentlich zum Betrieb bei. Externe Arbeitskräfte sind wegen hoher Lohnnebenkosten kaum finanzierbar, was die Situation zusätzlich erschwert.
Das Projekt schlägt deshalb ein Entlastungsmodell mit staatlich geförderten Zusatzarbeitskräften vor, die insbesondere schwer vermittelbare Personen wie ältere
Arbeitslose oder Geringqualifizierte einsetzen können. Diese werden in einer 14-tägigen Einschulung auf die betrieblichen Anforderungen vorbereitet. Ein Betrieb mit 50 Rindern könnte so z. B. eine geförderte Arbeitskraft für 20 Stunden pro Woche erhalten, was nicht nur die Familien entlastet, sondern auch mehr Tierwohl und bessere Planbarkeit ermöglicht.
Die politischen Forderungen umfassen:
1.
Einführung des Wertschätzungsentgelts für alle Lebensmittel.
2.
Zweckbindung der Einnahmen für die heimische Landwirtschaft.
3.
Schaffung eines Programms für geförderte Zusatzarbeitskräfte.
4.
Schutzklauseln gegen Billigimporte mit niedrigeren Standards.
5.
Planungssicherheit für Investitionen ohne rückwirkende Kapazitätsbeschränkungen.
Dieses Modell bietet Vorteile für alle Beteiligten: Die Bauern erhalten faire Preise und Planbarkeit, die Konsumenten leisten sich weiterhin leistbare Lebensmittel mit transparenter Herkunft, der Staat profitiert von der Sicherung regionaler Produktion und der sozialen Integration sowie der Belebung ländlicher Räume. Zudem trägt es zum Umweltschutz durch kürzere Transportwege und nachhaltigere Produktionsmethoden bei.
Die Kernbotschaft lautet: „Wir Bauern wollen nicht die billigsten sein – wir wollen die fairsten sein. Wir stehen zu hohen Standards, zu Tierwohl, zu Lebensmitteln, die diesen Namen verdienen. Aber wir können nicht gewinnen, wenn wir mit Ländern konkurrieren müssen, die spritzen dürfen, was sie wollen, und zu Dumpingpreisen liefern. Darum brauchen wir ein Wertschätzungsentgelt – damit ein Liter Milch, ein Stück Fleisch oder ein Kilo Brot den Wert hat, den es verdient. 20 Cent mehr für Milch – das ist für niemanden ein Problem, aber es kann für unsere Landwirtschaft der Unterschied zwischen Aufgeben und Weitermachen sein. Und wir brauchen Menschen, die uns helfen – nicht nur die eigene Familie, sondern auch jene, die am Arbeitsmarkt sonst keine Chance haben. So bleibt unser Land lebendig, unsere Lebensmittel ehrlich und unsere Zukunft gesichert.“
Die nächsten Schritte umfassen Pilotprojekte zur Erprobung des Arbeitskräfte-Modells, Gespräche mit Handelsketten zur transparenten Kommunikation des Entgelts und Lobbyarbeit auf EU-Ebene für Herkunftskennzeichnung sowie Mindeststandards bei Importen.
Nur mit konsequenter Umsetzung dieser Hebel kann die österreichische Landwirtschaft nachhaltig stabilisiert und die bäuerliche Existenz langfristig gesichert werden
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